ORF TV-Bericht

Mit Flugzeugen gegen den Hagel

Seit 25 Jahren fliegt der Kärntner Walter Golob Einsätze gegen Hagelschauer. Mit Hilfe von Silberjodid, mit dem Gewitterwolken geimpft werden, kann Hagel verringert oder sogar ganz verhindert werden. Er könnte sogar Schnee "machen".

Idee aus den USA ließ Flieger nicht mehr los

1981 las der Flieger Walter Golob, der bis dahin Werbebanner-Flüge gemacht hatte, in einer Zeitschrift von Hagelflügen in den USA.

Von der Idee fasziniert, suchte er nach weiteren Informationen und geriet schließlich an einen Fabrikanten im deutschen Rosenheim, der im Auftrag von steirischen Bauern Anlagen für den Einsatz von Silberjodid in Flugzeugen baute. So kam der Kontakt mit seinem Hauptkunden, einer Genossenschaft, zustande.


Die Dornier 27

Bodenbekämpfung nicht sehr erfolgreich

Seit damals ist Golob mit seinem Team von zwölf Piloten Tag und Nacht, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr in Bereitschaft bzw. Einsatz. Zuvor hatten die Bauern versucht, das Silberjodid mit Bodenbrenner, Raketen, vom Boden aus in die Wolken zu schießen, doch diese Methode war nicht sehr erfolgreich. Durch den Einsatz von Flugzeugen konnte man die Wolken punktgenau treffen.

Salz zieht Wasser an

Silberjodid ist ein Salz, das mit anderen Zutaten und Aceton vermischt wird und unter Hochdruck mit selbst entwickelten Brennern aus dem Flugzeug gesprüht wird. Das Salz zieht Wasser an und bildet unzählige Kondensationskerne, um die sich das unterkühlte Wasser aus den Wolken sammelt. Ein Gramm Silberjodid bildet 29 Billionen Moleküle.

Das Wasser verteilt sich auf diese vielen Kerne, Hagelkörner bleiben dadurch kleiner und können sich auf ihrem Weg zum Boden in Wasser, also Regen, umwandeln. Dies ist laut Golob der Idealfall.

Linktipps dazu:
Wikipedia Silberjodid
Klimaforschung.net

Körner sind kleiner

Hagelt es trotzdem, richten die kleineren Körner keinen großen Schaden mehr an. Außerdem wird der Gewitterwolke durch die vielen neuen Kondensationskerne Energie entzogen, Gewitter abgeschwächt.

Wolke saugt Silberjodid mit Luft ein

Golob: "Wir nutzen für unsere Einsätze die Naturgesetze. Eine Wolke saugt Luft von unten in sich hinein, durch die Aufwinde. Wir fliegen dann Kreise, setzen das Silberjodid frei und die Wolke nimmt es durch diese Sogwirkung auf. Je größer die Wolke ist, desto mehr Silberjodid wird benötigt, aber auch die Aufwinde sind stärker. Die Wolke nimmt uns also einen Großteil der Arbeit ab."


Partenavia - das Flugzeug


Erfahrung der Piloten ist unschätzbar

Dennoch bleibt der Beruf des Hagelfliegers ein Abenteuer. "Junge Piloten, die es unbedingt versuchen wollen, nehmen wir in ein Gewitter mit, von vielen hören wir dann nie wieder etwas. Man muss schon ein eigener Typ dazu sein, es zählt auch die Erfahrung, wo man das Mittel am besten einsetzt. Diese Erfahrung ist unschätzbar."

Auswerten von vielen Daten

Zum täglichen Pensum von Golob gehört das Sammeln von Wetterdaten, Satellitenfotos und Wetterberichten. Auch die Bergstationen liefern Daten für die Fluftfahrt. Mit seiner langjährigen Erfahrung kann er diese Daten auswerten und weiß, ob und wo ein Einsatz seiner Mannschaft nötig werden könnte. Vom Radareinsatz hält er wenig:

"Das Radar zeigt mir Hagel erst an, wenn er schon da ist. Dann ist es für einen Einsatz zu spät."



Kosten ca. drei Euro pro Hektar pro Jahr
Golobs Stammkunden, einige steirische Gemeinden, rechnen die Kosten für die Hagelflieger bereits in ihr Jahresbudget ein. Golob: "Es gibt eine Faustregel: Hagelabwehr für einen Hektar Land kostet ca. drei Euro im Jahr. Wir verrechnen Pauschalen und denken sogar über eine Art Gewährleistung nach. Hagelt es trotz unseres Einsatzes, bekommen die Kunden Geld zurück."

Mehrere Flugzeuge im Einsatz

Die Hagelflieger führen je nach Wetterlage 100 bis 200 Einsätze im Jahr durch. Mit vier Flugzeugen schützen sie derzeit ca. 3.000 Quadratkilometer Land. Die kleinste und im Betrieb billigste Maschine könne schon sehr früh hinaufgeschickt werden, ideal sei ein Abstand von einer halben Stunde vor einem Gewitter. Die größeren Maschinen folgen dann nach.

Außer einer einmotorigen Cessna verfügt Golob noch über eine zweimotorige Partenavia, die sicherer und auch schneller ist. Eine viersitzige Cessna verfügt über Blindflugeinrichtungen und kommt in der Nacht und bei schlechter Sicht zum Einsatz.

Auch Hagelgefahr in Kärnten
Golob sieht in Kärnten durchaus auch ein Einsatzgebiet: "Ich würde sagen, vom Reißeck über das Gurktal in einem Streifen bis nach Wolfsberg gibt es Hagelgefahr. Ein großer Hagelschauer richtet mehr Schaden an, als unsere Abwehr in zehn Jahren kosten würde." Die von ihm betreuten Gebiete hatten seit seinen Flügen keinen schweren Hagel mehr, sagt Golob.


Langfristig und großräumig denken

Man müsse hier großräumig und langfristig denken, sagt Golob und bedauert, dass die Kärntner Politiker bisher keinen Handlungsbedarf sehen. Die Akzeptanz seiner Arbeit sei in der Steiermark größer, denn dort sehen die Bauern die Erfolge.

Die Einsätze werden von 1. Mai bis 20. September geflogen, vorher und nachher habe die Erfahrung gezeigt, komme es fast nie zu Hagelunwettern im betreuten Gebiet.

Noch eine Möglichkeit sieht Golob für Kärnten: "Ich könnte Schnee für die Skigebiete freisetzen. Dazu brauchen wir Wolken, Feuchtigkeit und die richtige Temperatur."

Linktipps:

Südflug

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